Es ist sommerlich heiß an diesem Sonntag in Coesfeld. Schon ab 17 Uhr strömen die ersten Besucherinnen und Besucher in die Fabrik, eine Stunde später gehört die Bühne zunächst Junkyard Drive. Die dänische Hardrockband ist seit 2014 unterwegs und liefert den passenden Soundtrack zum Start in den Abend: geradlinig, melodisch und mit ordentlich Druck.
Alle Fotos @Kommodore Johnsen. Auf Grund der strengen Fotoregeln der Band ist weder Download noch weitere Nutzung erlaubt.








Um 18.30 Uhr ist das halbstündige Set beendet. Danach beginnt der Umbau für den Hauptact. Hinter dem Schlagzeug prangt bereits der große Steel-Panther-Schriftzug, und kurz vor 19 Uhr ist alles bereit für die nächste Eskalationsstufe.
Die Frisur sitzt – der Ventilator läuft
Steel Panther stehen für eine bewusst überzeichnete Version des Glam Metal der Achtziger: große Refrains, große Posen und noch größere Zweideutigkeiten. Michael Starr, Satchel, Stix Zadinia und Bassist Spyder führen diesen Ansatz auf ihrer „Twenty Twenty S€X European Tour 2026“ konsequent fort.
Als die Band mit „Eyes of a Panther“ loslegt, ist sofort klar, wohin die Reise geht. Sänger Michael Starr funkelt im Bühnenlicht, während ein Ventilator vorne in der Bühnenmitte zuverlässig dafür sorgt, dass sein Haar im richtigen Moment weht.
Blaues, violettes, rotes und oranges Licht taucht die Bühne immer wieder in warme, schmeichelhafte Farben.
Die Band ist bestens aufgelegt, spielt stark und macht zwischen den Songs reichlich Unsinn. Der Humor ist dabei wie gewohnt schlüpfrig.
Satchel zeigt beim Gitarrensolo, was er kann, und lässt seine rotmetallicfarbene Gitarre ordentlich singen. Auch Stix Zadinia macht hinter dem Schlagzeug nicht nur Druck, sondern sorgt mit einem fliegenden Drumstick-Wechsel für einen kurzen Hingucker.
Willkommen zurück im Jahr 1987
Natürlich darf „1987“ nicht fehlen. Schon der Song ist eine große Liebeserklärung an die goldene Zeit des Hair Metal, und auch optisch wird das Thema konsequent weitergeführt. Satchel spielt eine passend gestaltete Gitarre und greift zwischendurch für eine kurze Sequenz zusätzlich zur weißen Gitarre auf dem Ständer – während die andere weiterhin um seinen Hals hängt.
Melanie bekommt ihren großen Auftritt
Dann wird Melanie aus dem Publikum auf die Bühne geholt. Sie nimmt auf einem Barhocker Platz. Was zunächst nach einem kleinen Ständchen aussieht, wächst schnell zu einem ausgewachsenen Programmpunkt heran.
Frontmann, Gitarrist, Drummer und Bassist widmen Melanie nacheinander jeweils eine eigene, selbstverständlich schlüpfrige Strophe. Doch Melanie bleibt nicht nur Zuhörerin: Sie kann selbst singen und zeigt das auch.
17 Frauen für „17 Girls in a Row“
Für „17 Girls in a Row“ dürfen tatsächlich 17 Girls aus dem Publikum mit auf die Bühne.
Ohne die Mädels geht es mit „Community Property“ weiter. Das Publikum schwenkt die Arme und geht voll mit.
Roter Hut und ein letztes Spielchen
Zum Finale von „Gloryhole“ setzt Michael Starr einen roten Hut auf. Noch einmal zieht die Band alle Register: große Gesten, eingängiger Refrain und reichlich Bewegung vor der Bühne.
Doch ganz fertig sind Steel Panther offenbar noch nicht. Nach dem vermeintlichen Schluss gibt es eine Runde Catch the Hat. Erst danach gibt es das gemeinsame Bandfoto und ein letztes „Bye-bye“.
Aus der Halle kommen sofort Zugaberufe. Doch als das Hallenlicht aufflammt, ist klar: Das war es wirklich.
Zurück bleibt ein Abend, der musikalisches Können und völligen Blödsinn erstaunlich gut miteinander verbindet. Steel Panther wirken in Coesfeld nicht wie eine Band, die nostalgisch einer vergangenen Zeit hinterherläuft. Sie bauen sich ihre eigene Achtzigerwelt einfach jedes Mal neu – mit Glitzer, wehenden Haaren, starken Gitarren und einem Humor, der weiterhin keinerlei Interesse an guten Manieren zeigt.





Setlist Steel Panther
- Eyes of a Panther
- Tomorrow Night
- Asian Hooker
- Just Like Tiger Woods
- Friends with Benefits
- Guitar Solo
- Death to All but Metal
- The Mother’s Day Song
- 1987
- Impromptu Song for a Girl
- Girl From Oklahoma
- 17 Girls in a Row
- Party Like Tomorrow Is the End of the World
- Community Property
- Gloryhole
Setlist Junkyard Drive
- Pauline
- Where I Belong
- Ordinary
- Echo
- Tearaway
- Mr. Rock N’ Roll
