Der Samstag beim ROCKHARZ 2026 fühlt sich vom ersten Moment an nach Finale an. Nicht nach langsamem Auslaufen, nicht nach Resteverwertung, sondern nach einem letzten großen Aufbäumen. Der Himmel bleibt wolkig, das Wetter noch angenehm. Der Regen kommt erst und nur bei Annisokay, etwa um 17:45 bis 18:15 Uhr. Der Wettergott reist sich also wirklich zusammen und lässt dem Festival noch einmal die freie Bahn. Später geht selbst der Wind zurück, so dass die Feuerschwänze die volle Pyroshow auffahren können. Nach drei intensiven Tagen liegt diese besondere Mischung über dem Gelände: Müdigkeit in den Beinen, Staub auf der Haut, aber noch kein Ende im Kopf.

Pinhead

Der Einstieg in den Tag gehörte Pinhead, die auf der Rock Stage den ersten Ruck durch den Samstag schicken. Sie gründeten sich 2023 und stellen ein eigenwilliges und einzigartiges Kunstobjekt des Multiinstrumentalisten Ilja John Lappin dar, der finnisch-britischer Herkunft ist.

Drone 

Drone aus Celle mit Mutz, dem Stageverantwortlichen des Rockharz machen kurz darauf auf der Dark Stage klar, dass dieser letzte Festivaltag nicht auf Schonung ausgelegt ist. Ihr Groove- und Thrash-Metal setzt früh ein kräftiges Zeichen und macht jene wach, die den Freitag noch in den Knochen haben. Typische Brecher sind „Hanmmered, Fucked and Boozerd“, das rasend schnelle „Under the Blood Red Sun“ oder „Into Darkness“ mit melodischem Eingang. Mutz nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und wird zum Ende in Ketten gelegt und abgeführt, als Strafe für vulgäre Ausbrüche und bretthartes Geschrammel auf der Lead.

Tailgunner 

Tailgunner gründeten sich 2022 und haben mit „Midnight Blitz“ eine topaktuelle Rille dabei. Der Titeltrack „Midnight Blitz“, „Tears in Rain“ oder „Follow Me in Death“ liefern klassischen Heavy Metal mit viel Melodie, britischem Spirit und natürlich ausufernden, hymnischen Refrains. Die Songs sind rasend schnell, super melodisch, traditionsbewusst und genau richtig für diesen Samstag. Stilistisch würde ich die Briten bei den vier ersten Alben von Iron Maiden ansiedeln. Alles darüber hinaus wäre zu modern, zu progressiv und zu ausufernd. Klamottentechnisch und stylisch sind wir ebenfalls in den 80er Jahren mit langen Haaren und Stretchbuxen, ala Axel Ritt, ehemals bei Grave Digger an der Klampfe. Und, ja ihr habt es erfasst, ich finde die richtig geil und die Jungs sind sicher einer meiner Favs des diesjährigen Rockharz.

Necrotted 

Mit Necrotted wird es dann dunkel, bitter kalt und richtig brutal. Die süddeutsche Death-Metal- und Deathcore-Band liefert den Stoff für garantiert schlaflose Nächte und darf natürlich nur auf der Dark Stage spielen. Im Vergleich zu Tailgunner, eine ganz kalte Dusche und wieder einer dieser brutalen Stilwechsel. 

Tungsten 

Tungsten setzten danach wieder einen komplett anderen Akzent: schwedischer Heavy- und Power Metal mit melodischem Zug, klarer Kante und jener nordischen Eleganz, die selbst in den härteren Momenten noch glänzt. Genau diese Wechsel machen auch den letzten Nachmittag richtig stark. Wie alle Tage zuvor, bleibt der Samstag nicht in der Spur, oder ist gar vorhersehbar sondern wirft wieder neue Farben ins Feld. „On the Sea“ ist klar akzentuiert, man versteht jedes Wort, hymnisch und groß. „Bite My Tongue“, released als Single am 5. Feb. 2026, beginnt im dunklen Metal mit einer Mischung aus cleanen Vocals und Growls und treibende Riffs führen in einen mächtigen Chorus. „The Fairies Dance“ groovt mit Momenten, die an Powerwolf erinnern und davon ganz weit weg der lyrische Gesang. 

Crypta 

Crypta sind eine rein female brasilianische Death-Metal-Band und gründeten sich 2019 aus vormaligen Nervosa-Mitgliedern. Sie sind bei Napalm unter Vertrag und gelten sicher als einer der Höhepunkte dieses Finaltages. Die im Todesmetal agierenden Mädels haben sich längst einen Namen als kompromisslose, technisch starke und international ernstzunehmende Kraft erspielt. Ihr Auftritt bringt Feuer, Präzision und eine finstere Energie auf die Dark Stage. Die Mimik der Sängerin / Fronterin ein quirliges, dralles Bündel, ist unübertroffen, wirklich zum Schmunzeln. Mit Crypta haben wir übrigens, wenn ich richtig gezählt habe, die dritte, komplette female Band, eben neben Hagane und Dogma. Tja, die Mädels sind klar auf dem Vormarsch. 

Artillery 

Artillery gründeten sich 1982, kommen aus Dänemark und gehören zu den Legenden des Thrash-Metal. Es gibt wohl kaum einen besseren Bandnamen für diesen rasend schnellen, speedigen Metal im Old-School-Style. Die Bay-Areal lässt grüßen. Man brachte fast ein Dutzend Alben unter das Volk. Das aktuelle Werk lautet „Made in hell“, und ist wieder so ein Titel / Namen, der wie Arsch auf Eimer passt. Bereits 2015 waren die Nordeuropäer auf dem Rockharz, auch damals schon mit Michael Bastholm Dahl als langhaariger Shouter. Der klingt allerdings gar nicht, wie der typische Brüller, sondern erinnert phasenweise an Geoff Tate, ehemals Queensryche.

Majestica 

Majestica sind eine schwedische Symphonic-/ Power-Metal-Band mit Gründung in 2000. Als großer Fan von den finnischen Vertretern Stratovarius oder Sonata Arctica ist das genau mein Stil. „No Pain, No Gain“, „Metal United“ oder das fast schnulzige „Night Call Girl“, das sind Perlen des melodischen, schwedischer Power Metal mit herausragenden Melodien, hymnisch, cineastisch und so spielfreudig. Nach den im Vorfeld so harten musikalischen Einschlägen wirkten die Tasten, Gitarren und der feine Gesang der Schweden wie ein Sonnenstrahl, der die verhangene Wolkendecke durchbricht. Allerdings bleibt der Regen noch aus. Erst im etwa letzten Drittel des Gigs und zum Change Over öffnet der Himmel nun seine Tore. Es regnet, tropft nachweislich deutlich, aber es bleibt alles im Erträglichen.

Annisokay 

Mit Annisokay aus Halle gibt es nun ganz modernen Metalcore und Post-Hardcore mit starkem Gespür für Melodie, Dynamik und große Refrains. 2018 gastierte man auf dem Rockharz noch mit Shouter Dave Grunewald. Nun teilen sich Rudi Schwarzer mit Shouts und Christoph Wieczorek mit cleanen Vocals das Mikro. Man hat ein halbes Dutzend Platten auf dem Markt und „Abyss – The Final Chapter“ von 2025 ist die aktuellste Rille. Es regnet zum Start und bei den ersten drei Songs, dann wars das mit den feuchteren Ergüssen im Harz.

Finntroll 

Was letztes Jahr auf dem Rockharz viel zu wenig oder gar nicht zu sehen war gibt es dieses Jahr mit Ensiferum und Finntroll zuhauf. Folk- und Humpa ist neben Mittelalter, Spaßrock und klassischem Metal, die Stilrichtung, die auf dem Rockharz am besten funzt. Und Finntroll mit ihren langen Ohren verbinden in klassischer Weise die Elemente des Pagan Metal, des Black-Metal und des Humppa-Sound zu einem wahren Feuerwerk des Folk. Zwischen Troll-Mythos, erzwungener Tanzwut und metallischer Raserei mit Moshpits auf engstem Raum und Crowdsurfern, soviel die Hände tragen, entsteht dieser Move, der das ROCKHARZ so besonders macht.

Danko Jones

Mit dem namesgebendem Shouter und Gitarristen Danko Jones, weitere Mitglieder sind John Calabrese am Bass und Rich Knox am Schlagzeug, kommt der harte Rock’n’Roll in Reinform auf die Rock Stage. „Had Enough“, „My Little RnR“ und „Everyday is Saturday Night“ sind dafür beste Beispiele. Die Kanadier brauchen keine überladene Inszenierung, um zu funktionieren. Riff, Groove, Stimme, Haltung – das reicht hier völlig aus. Ihr Auftritt schiebt den Samstag mit breitem Grinsen weiter in Richtung Abend. Sie setzen einen wunderbar direkten Gegenpol zur folkloristischen Verrücktheit von Finntroll.

Doro

Die Prime-Time ist dann für Doro, die deutsche Metalqueen, reserviert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich Doro jemals mal im Harz gesehen habe. Allerdings meint Doro sie war schon mal dar. Meine Recherchen bestätigen das. Sie müsste etwa 1983 mit Warlock im Harz gewesen sein, allerdings nie auf dem erst 10 Jahre später gegründeten Rockharz. Also haben wir heute eine echte Premiere und unwillkürlich muss man sich fragen, warum erst jetzt. Die ehemalige Düsseldorferin prägt seit Jahrzehnten mit ihren geilen Stimme und ihrer Liveperformance die deutsche und internationalen Hard-’n’-Heavy-Geschichte. Wohl kaum eine Sängerin gehört so auf die Bühne, wie Doro. Sie steht immer für Hingabe, absolute Fannähe und Treue und für eine beispiellose Karriere.

Im Interview gefragt, ob sie jemals einen Partner, Mann, Freund hatte, antwortete sie, dass ihre Liebe neben Lemmy von Motörhead ausschließlich der Musik gehört. Und, es gibt noch eine Premiere. Sorry ich bin Doro-Fan seit „Hellbound“ und kenne das Line – Up, wie meine Westentasche. Den Gitarristen neben Bassi, am Bass übrigens wieder Nick Douglas, habe ich noch nie zuvor gesehen. Es ist der Session Musiker Zibby Krebs. Hier die komplette Setlist von Doro: „Earthshaker Rock“, I Rule the Ruins“, „Time for Justice“, „Burning the Witches“, „Fight for Rock“, „Raise your Fist“, „Warriors of the Sea“, „Für Immer“, „Fire in the Sky“, „Hellbound“, „All we are“ und Medley aus „Ace of Spades, True as Steel und Metal Racer aber nicht mehr Revenge oder Breaking the Law. Übrigens wird auch bei Doro mächtig, scheisse ist das heiß, abgeflammt, eigentlich bei fast jedem zweiten Song.

Knorkator 

Knorkator verwandeln die Rock Stage anschließend in ein kontrolliertes Chaos. Kaum eine deutsche Band verbindet musikalische Präzision, absurden Humor, Größenwahn und komplette Albernheit so konsequent wie Knorkator. Gerade nach Doros typischer Metalparty war dieser Auftritt ein herrlich überdrehter Bruch. Das ROCKHARZ kann unter anderem mit Doro aber zuvor auch mit Helloween und Alice Cooper ganz viel Pathos, aber eben auch den völligen Irrsinn — und Knorkator liefern davon reichlich. Beim dritten Song geht es für alle Knipser einmal auf die Bühne. Humpen lässt es sich nicht nehmen ein paar der Bildgestalter mit einer Poolnudel ordentlich zu verdreschen. Kaum ist man von der Bühne runter gibt es von Knorkator eine Danksagung an die nun verheirateten Köpfe des Rockharz, nämlich an Thorsten „Buddy“ Kohlrausch und Danni.

Emperor 

Mit Emperor wird es wieder sehr ernst, schwarz in der Musik, monumental aber heller in der Ausleuchtung. Die norwegische Black-Metal-Legende bringt die wahre Gravität / Schwerheit auf die Dark Stage. Hier geht es nicht um Feierlaune, nicht um Spaß, nicht um Festivalromantik, sondern um Kälte, Größe und eine Aura, die nur wenige Bands dieses Genre besitzen. Emperor sind einer der dunkelsten und eindrucksvollsten Momente des gesamten Wochenendes: majestätisch, erhaben, eben musikalisch riesengroß wirkend.

Feuerschwanz 

Bevor Feuerschwanz die Bühne übernehmen, kommt das Farewell, also die Danksagung von Buddy an seine Crew, 30 Jahre Metal.de und letztlich an die wichtigsten Personen, nämlich euch Fans und Besucher.

Feuerschwanz machen aus dem ganz späten Samstag ein großes, hell brennendes und mit Funken erleuchtetes Finale. Die Franken haben sich vom Mittelalter-Rock-Spaßprojekt zu einer der erfolgreichsten deutschen Folk- und Mittelalter-Metal-Bands entwickelt. Sie bringen genau jene Mischung mit, die auf einem Festivalabschluss zündet: Humor, Hymnen, Härte, Feuer, Refrains und die Fähigkeit, ein müdes Gelände noch einmal kollektiv aufzurichten. Nach der schwarzen Wucht von Emperor ist das der maximale Kontrast und deshalb so wirkungsvoll. Zum Ende gesellt sich eine wohl bekannte, blonde Walküre zum Hauptmann Feuerschwanz und zu Prinz „Hodi“ Hodenherz auf die Bühne. Beim hymnischen „We are the Vikings“ singt keine Geringere als Doro Pesch mit.

Soen

Den letzten Ton des ROCKHARZ 2026 setzen Soen. Die schwedische Progressive-Metal-Band lässt den Samstag nicht in Klamauk oder reiner Eskalation enden, sondern in Atmosphäre, Tiefe und musikalischer Eleganz. Nach vier Tagen voller Druck, Staub, Riffs und Euphorie ist dieser Abschluss beinahe versöhnlich: dunkel, schön, nachdenklich, getragen. Ein spätes Finale für alle, die noch einmal nicht nur feiern, sondern fühlen wollen.

So endete das ROCKHARZ 2026 mit einem Samstag, der die ganze Spannweite des Festivals noch einmal bündelte. Drone und Necrotted liefern Härte, Tailgunner und Majestica klassischen Metal-Glanz. Crypta und Artillery sorgen für extreme Schärfe, Annisokay überzeuugen mit modernen Emotionen. Finntroll definieren folkige Raserei, Danko Jones puren Rock’n’Roll, Doro Herz, Knorkator Wahnsinn, Emperor Finsternis, Feuerschwanz das große Finale und Soen den atmosphärischen Nachhall. Wolkiger Himmel, trockener Boden, letzte Reserven — und ein Abschlusstag, der sich verabschiedete und dabei noch einmal alles gibt.

Meine Favoriten waren dieses Jahr natürlich die Pumpkins (Helloween) und der große Alice Cooper. Daneben haben mich Dogma auf theatralische Weise wirklich mitgenommen. Musikalisch bin ich halt im alten Heavy Metal und Power Metal unterwegs und da waren Tailgunner und Majestica einfach toll.

ROCKHARZ 2027

Während ich diese Zeilen schreibe, es ist Montag der 6. Juli 2026, meldet das Rockharz, das soeben 75% aller Tickets bereits verkauft sind. Einen Tag später sind es bereits 90%. Wir steuern also wieder mal auf einen rasend schnellen Sold Out hin. Für 2027 sind folgende Bands bereits fest gebucht:

ACCEPT, ALESTORM, ALL FOR METAL, ARCH ENEMY, BRUCE DICKINSON, COPPELIUS, DARTAGNAN, DUST BOLT, EISBRECHER, EMIL BULLS, EQUILIBRIUM, GRAVE DIIGGER, GUTALAX, GWAR, HANDGEMENG, H-BLOCKX, IGEL VS. SHARK, KATERFAHRT, KORPIKLAANI, LORD OF THE LOST, MARDUK, METAL CHURCH, NESTOR, SETYØURSAILS, SKĀLD, TANKARD, STORM SEEKER, THE SISTERS OF MERCY, TURBOBIER

See you at the Devil’s Wall in 2027

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