©AKA_Johnsen

Grave Digger/Victory/Warwolf

Ein klassischer Heavy-Metal-Abend in der Fabrik Coesfeld: drei Bands, drei mal Metal und eine durchweg starke Stimmung vom ersten Riff bis zur letzten Zugabe. Der Abend bietet NWOBHM-Spirit, Hard-Rock-Energie und zum Abschluss eine Lehrstunde in Sachen deutschem Heavy Metal.

Warwolf – klassischer Metal zum Auftakt

Pünktlich um 18:55 Uhr eröffnen Warwolf den Abend. Die Kölner Formation, hervorgegangen aus ehemaligen Mitgliedern von Wolfen, steht für klassischen Heavy Metal in bester NWOBHM-Tradition. Sie sind hörbar inspiriert von Iron Maiden, allerdings nicht in der klassischen Formation, sondern man denkt eher an Alben, wie “The X Factor” oder “Virtual XI”, also an die Ära mit Blaze Bailey am Mikro. Der Fünfer weiss aber, wie man dem Stoff seine eigene Handschrift, einprägt. Frontmann Andreas von Lipinski führt die Truppe mit kräftiger Stimme durch ein kompaktes, rund 30-minütiges Set, das sofort zeigt, wohin die Reise geht: ehrlicher, melodischer Metal ohne Schnörkel.

Setlist Warwolf

  • Daywalker
  • Eye of the Storm
  • Flying Dutchman
  • Lycan Empire
  • Necropolis
  • Nosferatu

Victory – Hard Rock aus Hannover übernimmt

Um 19:45 Uhr startet die zweite Band des Abends: Victory. Im Vorfeld hatte es eine überraschende Umbesetzung gegeben: Sänger Gianni Pontillo wechselte zu Nazareth, wodurch kurzfristig Dyan Mair als Livesänger einsprang. Besonders brisant: Mair war zuvor bei Bonfire aktiv, was dort intern offenbar nicht auf Begeisterung stieß. Nach ausbleibender Klärung trennten sich die Wege und Bonfire holten ihren früheren Frontmann Alexx Stahl zurück. In Coesfeld steht Dyan nun mit Victory auf der Bühne – und liefert souverän ab. Ich kenne die Band noch aus den späten 80er-Jahren und bin damals sogar mal nach Hannover gefahren, um die Jungs live in ihrer Heimatstadt zu sehen. Damals agierten sie mit Charlie Huhn am Mikro, Fritz Randow am Schlagzeug und dem congenialen Gitarrenduo Tommy Newton und Hermann Frank. Den zuletzt genannten kannte man übrigens schon von Accept. Victory in der neuen Besetzung mit Dyan Mair, Hermann Frank, Mike Pesin (Gitarre), Malte Burkert (Bass) und Michael Stein (Drums) präsentieren sich spielfreudig und routiniert, mit einem Set zwischen klassischem Hard Rock und Heavy Metal, das sofort funktioniert. Zum Ende dann mit “Checks in the Mail” der Überkracher.

Setlist Victory

  • Gods of Tomorrow
  • Count on Me
  • Speak Up
  • Standing Like a Rock
  • Are You Ready
  • Take the Pace
  • Feel the Fire
  • Surrender My Heart
  • Moonlight Sky
  • Rock the Neighbours
  • On The Loose
  • Into The Light
  • Checks In The Mail

Um 20:40 Uhr folgt die Umbaupause für den Headliner.


Grave Digger – Old School Metal zum Finale

Schon beim Einstieg wird klar, wohin die Reise geht. Nach dem Intro „Reign of Bones“ kommt von Mastermind Chris Boltendahl die Ansage des Abends: „Ihr wollt Old School? Ihr bekommt Old School!“ Und genau das liefert die Band. Von den ersten Songs an zeigt sich: Die Spielfreude ist enorm. Kein Unterschied zur Show beim ausverkauften Rockharz Festival, obwohl es sich bereits um das viertletzte Konzert der Tour handelt. Auch vor der Bühne gibt es unterhaltsame Momente: Zwei versprengte JBO-Fans in der ersten Reihe sorgen mit einem spontanen „Oh wie ist das schön“-Chor für zusätzliche Stimmung und bekommen vom Frontmann sogar ein humorvolles „Happy Birthday, Mr. President“-Ständchen für einen Geburtstagsfan. Musikalisch bietet die Band mit Altbasser Jens Becker zur Linken (ist seit fast 30 Jahren dabei), Tobias Kersting zur Rechten (ehemals Orden Ogan, seit 2023) und Marcus Kniep mit stylischem Zylinder an den Drums einen Querschnitt durch ihre Karriere – von epischen Hymnen bis zu frühen Klassikern. 

Setlist Grave Digger

  • Intro: Reign of Bones
  1. Twilight of the Gods
  2. The Grave Dancer
  3. Kingdom of Skulls
  4. Under My Flag
  5. Valhalla
  6. Circle of Witches
  7. Dark of the Sun
  8. The Curse of Jacques
  9. Shadows of a Moonless Night
  10. The Roundtable
  11. Excalibur
  12. The Devil’s Serenade
  13. Back to the Roots
  14. Rebellion

Zugaben

  • Headbanging Man
  • Witch Hunter
  • Heavy Metal Breakdown

Um 22:30 Uhr endet ein rundum gelungener Konzertabend.


Fazit des Abends

Drei Bands, drei unterschiedliche Facetten des Metal – vom klassischen NWOBHM-Spirit über Hard Rock bis zum deutschen Heavy-Metal-Urgestein. Besonders bemerkenswert: Die Energie der Bands stand einem Festivalauftritt in nichts nach. Ein Abend, der zeigte, dass Clubshows weiterhin das Herz der Metalszene bilden.

https://www.fabrik-coesfeld.de